Astrologie Heute Nr. 239 (Februar 2026)
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Astrologie Heute Nr. 239
Februar 2026

Inhaltsverzeichnis
Heft Nr. 239 bestellen

Astro-logische Merk-Würdigkeiten

Glück!

von Barbara Egert

Wer den Uranus versteht, der uns immer schon einen Schritt voraus ist, der weiss auch, dass in allem das Gegenteil bereits keimhaft angelegt ist, Geschichte wellenförmig verläuft und eine Gegenbewegung, nach soviel langen Haaren, unvermeidlich ist. Weil nun endlich einmal auch andere zum Zug kommen wollen, die sich natürlich modisch vehement unterscheiden müssen: Oben sehr wenige bis gar keine Haare, jedoch längere als seitlich – das ist ein Undercut, beim Sidecut wird nur eine Seite des Kopfes kurz geschnitten. Wer jetzt noch einen Pferdeschwanz trägt, ist selber schuld, out zu sein. 

Früher trug der Mann alle fünfzig Nuancen von Grau für die Anzüge, dazu eine «gediegene» Krawatte und dermassen sachliche Ansichten, dass jedem das Blut in den Adern gefriert, der Begriffe wie Herz, Schmerz und Liebe nicht eintauschen möchte gegen irgendwelche Algorithmen, die das Gleiche angeblich exakter definieren und endlich, endlich die betreffenden Gefühle digitalisierbar machen. Denn dann würde jeder, der uns aus den Weiten des Alls besuchte, sofort begreifen, was damit gemeint ist: 0100100010101… steht für «Schmerz essen Seele auf», ist doch ganz einfach! Aber die Zeit ist im Wandel (s.o.) und heute trägt mann (ich zitiere): «Elegante Looks in der Trendfarbe Greige bis hin zu extravaganten Boho Pieces» – was immer das auch sei.

Das Glück der Zukunft, verspricht uns die IT-Branche, liege in einer völlig veränderten Wahrnehmung der Realität. Und wahrhaftig, wer durch eine Virtual-Reality-Brille schaut, befindet sich in einem ausserordentlichen Zwischenreich von wirklich und unwirklich, wähnt sich inmitten einer Vision, die Neptuns Fantasie entsprungen sein könnte. Saturn nickt beifällig, erkennt er doch einen gewissen pädagogischen Nutzen in diesen VR-Brillen. Die Venus findet sie potthässlich, während Merkur und Uranus bereits an einer Ganzkörper-Sensorik arbeiten. 

Der Merkur hat Heinrich Heine gelesen und gibt zu bedenken: «In uns selbst liegen die Sterne unseres Glücks.» Uranus zuckt mit den Schultern: «Ich bin die ollen Kamellen satt!» Soweit ich weiss, geht es nicht nur um die Virtualisierung des Seh-Sinns, sondern auch aller anderen Sinne. Beide sind, so scheint es, auf der Suche nach der totalen Virtualität, dem idealen Cyberspace. Erste Versuche führten zu völliger Verstörung der Probanden. Na ja, die ersten Bahnreisenden klagten auch, dass ihnen in den Kurven schwindlig würde, besonders die Saturnier, die um ihre Contenance fürchteten. 

Da nach Heine die Sterne unseres Glücks nun aber in uns selber liegen, brauchen wir Sternenkundige uns doch nur auf die Suche zu machen. Aber ganz so einfach ist das dann doch nicht, weil es eben die Polaritäten gibt. Glück – Zufallsglück? – im Leben zu haben ist schön, aber kein Dauerzustand. Ich liebe das Wohlfühlglück in meinem zwölften Haus. Aber jedem Wohlgefühl entspricht ein Unwohlsein, jedem Glücklichsein ein Unglücklichsein. Und je mehr ein Mensch sich auf das Gute und Schöne festlegt, desto grösser wird das Potenzial für den Gegenpol. Mond, Venus und Neptun sind enttäuscht und Jupiter in Stier rät, viel Kuchen zu essen.

Das ist und bleibt das ewig Rätselhafte des Glücks: Es stiehlt sich fort von allen die meinen, es gepachtet zu haben, wirft im Vorüberflattern Frischverliebten ein Lächeln zu und taucht dann unvermittelt auf bei jenen, die immer im Schatten stehen, die jeder übersieht und die kaum noch Hoffnung haben, ihm je zu begegnen. Doch dann erscheint es, mit einem Lächeln kündigt es sich an, und durch seinen Zauber wird alles gut. Wenn auch nur für eine Weile. Dann, leider für die einen, zum Glück für andere, flattert es wieder auf und davon… Uranus macht den Mutigen Mut: «Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit.» (Erasmus von Rotterdam) Wie befreiend!


Barbara Egert, geprüfte Astrologin DAV, jahrzehntelange Astrologieerfahrung; Bücher: «Astro-logische Merkwürdigkeiten – Kolumnen» (2017, nur bei Amazon erhältlich), «Wenn die Kindheit Schatten wirft: Beziehungen, Hochsensibilität, Narzissmus» (2014), «Hochsensibilität im Horoskop» (2012), «Krisen im Horoskop erkennen» (2011), «Kindheitserfahrungen im Horoskop» (2009); ständige Mitarbeiterin von ASTROLOGIE HEUTE, E-Mail: Barbara Egert